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Labeltalk: Harvest

Philip Stolte ist Gründer des Multi-Brand-Stores "Harvest" in München und hat den "Neuen Mann" entdeckt.

07.07.2009 - Kommentare: 0 - Autor: Michael
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Er ist noch völlig unbekannt. Aber wir werden viel von ihm hören. Philip Stolte ist Gründer des Multi-Brand-Stores "Harvest" im Münchner Szeneviertel Schwabing. Er ist jung, talentiert, kreativ und hat den "Neuen Mann" entdeckt.
Anders als andere Designer, die allesamt in die deutsche Hauptstadt strömen, bleibt der studierte Graphik-Designer in München.

Ich durfte an einem schönen sonnigen Nachmittag bei ihm zu Gast sein und Fragen stellen.


Stylished:
Philip, woher kommt die Idee, ein eigenes Geschäft zu eröffnen und Mode zu verkaufen?


Philip Stolte:
Während meines Studiums habe ich mich unentwegt für Mode interessiert. In der Uni-Werkstatt konnte ich sogar kleinere Kollektionen entwerfen. In dieser Zeit sind die ersten bedruckten T-Shirts entstanden.
Ich kann zwar keine kaufmännische Ausbildung vorweisen, insofern wage ich mich autodidaktisch an das spannende Unterfangen heran.

Mein Vater ist auch Graphikdesigner. Er hatte den Harvest-Store 30 Jahre lang als Atelier und Ausstellungsraum gemietet. Nach dieser langen Zeit hat er sich entschlossen, den Vertrag nicht zu verlängern. Für mich war sofort klar, dass ich die Tradition fortführen möchte.
                                                                                                                     
Stylished:
In Zeiten der Wirtschaftkrise ein eigenes Geschäft zu eröffnen ist sicherlich nicht ganz einfach. Wieso trotzt du der Krise? Warum hast du nicht noch drei oder vier Jahre gewartet?


Philip Stolte:
Zeitlich kommt mir die Wirtschaftskrise sicher nicht gelegen. Aber das Diplom hatte ich bereits in der Tasche und mein Vater wollte sein Atelier abgeben. Da habe ich nicht lange gezögert. Die Euphorie hat mich einfach gepackt.

Angst hat bestimmt jeder im Moment. Ich bin verhältnismäßig jung, aber gerade in jungen Jahren, wo man den nötigen Elan und Enthusiasmus hat, wollte ich es wagen. Ich denke, dass das finanzielle Risiko später, vielleicht mit einer eigenen Familie, viel höher ist. Ich möchte nicht irgendwann aufwachen und sagen müssen, dass ich die Option hatte und sie nicht genutzt habe.

Stylished:
Stean's - so lautet dein eigenes Label. Was bekommen wir genau zu sehen?


Philip Stolte:
Seit 2007 entwerfe ich meine eigene Kollektion. In jeder Saison gibt es ein neues Thema. Die aktuelle Saison nennt sich "The Track of '79". Inspiriert wurde ich durch meinen Vater, der 1979 zusammen mit Freunden durch Amerika reiste und dabei diverse Motive wie etwa Zeitungsausschnitte gesammelt hat. Diese wollte er später auf Shirts drucken und sie dem kommerziellen Markt anbieten. Dazu kam es allerdings nie und so landeten die Motive schließlich auf meinen Strampelanzügen und Lätzchen. Jetzt möchte ich den Jungs Anerkennung zollen, indem ich die 79er Original Vintage-Motive neu auflege und herausbringe.

Stylished:
Bei Harvest findet man nicht nur deine eigenen Kreationen, sondern auch die anderer Labels wie Folk, Stocket, Our Legacy oder Prism. Wieso mischt du das? Wie bist du auf die anderen Brands gekommen?


Philip Stolte:
Ich traute mir nicht zu, nur meine eigenen Kreationen anzubieten. Damit hätte ich mich nicht ganz wohlgefühlt. Der Mix macht es aus. Das finde ich sehr spannend.

Ich habe keine Messen besucht und Labels angeschaut, sondern durch diverse Praktika im Ausland (u.a. bei Folk in London, Making Things in Zürich) und persönliche Kontakte kannte ich bereits im Vorfeld die kreativen Köpfe und Geschichten hinter den Sachen. Ich möchte gerne das Gefühl vermitteln, die Brands bei Freunden einzukaufen.

Stylished:
Weshalb
richtet sich dein Konzept nur an Männer ? Ist die Zielgruppe "Frau" nicht spannend?

Philip Stolte:
Zunächst einmal sehe ich mich selbst als Kunde. Ich habe ein gewisses Gespür, was bei uns Jungs gut ankommt. Die Garderobe ist mit Hosen, Hemden, Shirts und Cardigans vergleichsweise überschaubar. Bei den Mädchen geht es um viel mehr. Da besitze ich eindeutig zu wenig Know-how.

Darüber hinaus gibt es gleich eine Straße weiter etliche Geschäfte ausnahmslos für Frauen. Da hebe ich mich deutlich von ab.
Es lässt sich aber nicht ganz ausschließen, eines Tages eine Kollektion für Mädchen anzubieten.

Stylished:
Wie sieh
t deine Zielgruppe genau aus? Wie ist der typische Käufer von Harvest?

Philip Stolte:
Er ist Mitte 20. Die Grenze ist nach oben hin offen. Je nachdem, wie lange er sich eben für Mode interessiert. Mein Kunde möchte unkompliziert einkaufen und dabei eine gute Auswahl an Brands vorfinden. Die Auswahl ist bei mir kleiner als er es sonst in größeren Geschäften gewohnt ist. Dafür ist sie außergewöhnlich, neu und exklusiv in München zu bekommen. Studenten kaufen hier genauso ein wie die Berufstätigen.

Stylished:
Viele Plattenlabels, Medienfirmen und Designer gehen nach Berlin. Du hast dich jedoch für München als Standort entschieden? Warum München?


Philip Stolte:

Ich kenne Berlin. Dort entstehen gerne mal Läden in Abrisshäusern. Frei nach dem Prinzip: Tapete runter, Kleiderstange rein und schließlich ein T-Shirt für €400 drapieren. Schon haben wir den sogenannten Berliner Schick. Das haben wir allzu oft gesehen.

Von außen betrachtet macht München einen leicht verstaubten Eindruck. Aber pustet man diese Staubschicht vorsichtig weg, dann erkennt man darunter eine Menge toller Sachen. Die Szene hier ist klein – aber dafür gut. Wir müssen uns nicht verstecken. Einige kreative Köpfe beweisen, dass man auch in München internationale Aufmerksamkeit bekommen kann.

Stylished:
Planst du weitere Geschäfte zu eröffnen? Wenn ja, nur in München?

Philip Stolte:

Im Moment nicht. Aber die Idee ist vorstellbar und in einer anderen Stadt sicher reizvoll. Ich glaube an das Konzept. Es kann durchaus weiter aufgehen.


Stylished:
Philip, Danke für das Gespräch und viel Erfolg mit Harvest!

 


Bei der optischen Gestaltung des Stores und der Entwicklung der Corporate Identity hat sich Philip Stolte von der Ästhetik des Wilden Westens inspirieren lassen. Zum Ausdruck bringt dies die Verwendung von viel Holz und vornehmlich gedeckten Farben. Auch das Logo des Shops, welches einem Brandzeichen nachempfunden ist, gibt diesen Gedanken wieder. Die beiden Verkaufsräume, die sich auf zwei Ebenen erstrecken, zeichnen sich durch eine klare Linie aus. Besonders wirken hier die großflächige Holzwand mit eingearbeitetem Logo und die beleuchtete Schiebewand mit einem Motiv, das den Stil des Ladens transportiert.



Facts:
Harvest  Zieblandstraße 5 80799 München
Öffnungszeiten: Di bis Fr 11:00 – 19:00 Uhr, Sa 11:00 – 18 Uhr
www.hrvst.de

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